5 Fragen an die Landtagskandidat*innen

Wie stehen die Kandidat*innen der Landtagswahl 2021 zu Themen die auch Nordheim und Nordhausen bewegen?
Landtag von Baden-Württemberg
Quelle: Landtag von Baden-Württemberg

NOWO will es wissen

Wir haben fünf Kandidat*innen der Landtagswahl 2021 im Wahlkreis 18 (Heilbronn)  zu verschiedenen Themen befragt, welche auch in Nordheim und Nordhausen von Relevanz sind. Die Antworten der Kandidat*innen haben wir in alphabetischer Reihenfolge des Nachnamens unterhalb der jeweiligen Fragestellung aufgeführt. Einfach auf den Namen klicken, um die Antwort aufzuklappen.

Frage 1: Zabergäubahn

Die Chancen für eine Re-Aktivierung der Zabergäubahn scheinen so gut zu sein, wie seit Jahrzehnten nicht. Im Nordheimer Gemeinderat gibt es erste Befürchtungen, dass Nordheim eventuell verkehrstechnisch (vor allem was Busverbindungen in Richtung Brackenheim bzw. Heilbronn betrifft) abgehängt werden könnte (mehr zum Thema auf NOWO hier).

Wie stehen Sie zu den Plänen einer Re-Aktivierung der Zabergäubahn?

Um einen wichtigen Schritt in der Verkehrswende voranzukommen werden Reaktivierungen stillgelegter Strecken, da, wo sie möglich sind, ein Baustein vernetzter Mobilität sein. Auf Landesebene werden hierfür im Moment die Weichen gestellt. Die Reaktivierung der Zabergäubahn wäre so ein wichtiger Schritt, um die Region Zabergäu an die Zentren Karlsruhe, Stuttgart und Heilbronn anzuschließen. Gleichzeitig müssen natürlich im für den Nahverkehr vor Ort zuständigen Kreis Querverbindungen zu anderen Kommunen mitgedacht, beibehalten und wo nötig weiter ausgebaut werden. Eine Entlastung durch die Schiene darf keinen Nachteil für den restlichen Nahverkehr mit sich bringen.

Ich halte es für richtig, stillgelegte Strecken wieder in den Blick zu nehmen. Insbesondere für die Zabergäubahn werden gute Nutzerzahlen prognostiziert. Wenn wir eine echte Verkehrswende schaffen wollen und unsere Straßen nicht mit noch mehr Verkehr belasten wollen, müssen die Schienen im Nahverkehr ausgebaut werden. Deshalb stehe ich zur einer Re-Aktivierung der Zabergäubahn. Mit einem Anschluss an das Stadtbahnsystem rückt die Region noch ein Stück näher zusammen.

Die Linke setzt sich seit Jahren engagiert für eine Reaktivierung der Zabergäubahn und einen generellen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs ein. Eine Vernetzung der Zabergäubahn mit Bussen, die jeweils auf den Fahrplan der Bahn abgestimmt sind, ist notwendig. Bestehende Busverbindungen müssen erhalten und ausgebaut werden. Die enge Taktung der Bahn und der Busse muss ebenfalls gegeben sein. Dafür möchten wir uns einsetzen.

Voraussetzung für die Reaktivierung der Zabergäubahn ist der Nachweis der Wirtschaftlichkeit, der für die Gewährung von Fördermitteln von Bund und Land generell erforderlich ist und nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz mit einer Standardisierten Bewertung erbracht werden muss. Der hierfür notwendige Wert von über 1,0 konnte mit den bisherigen Berechnungen nicht nachgewiesen werden, es besteht aber Grund zu der Annahme, dass die künftige stärkere Berücksichtigung von Umwelt- und Klimaparametern sich positiv auf die Wirtschaftlichkeitsberechnung auswirkt. Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, der volkswirtschaftliche Nutzen sichergestellt ist und insofern die Fördermittel fließen, bin ich sehr für die Reaktivierung der Zabergäubahn. Gleichzeitig gilt aber auch: Wir haben einen sehr guten Busverkehr im Zabergäu und eine Reaktivierung der Zabergäubahn darf nicht zu seinen Lasten gehen. Vielmehr kommt es darauf an, die Mobilität im Ländlichen Raum durch das Zusammenspiel von Bus und Bahn auch künftig sicherzustellen. Schließlich liegen nicht alle Gemeinden an der Bahntrasse. So ist insbesondere auch Nordheim auf den Busverkehr angewiesen. Dem muss Rechnung getragen werden!

Nachdem der Raum Heilbronn jahrelang bei Reaktivierungen des Schienennetzes außen vor blieb, ist mittlerweile mehr Bewegung in dieser Frage zu erkennen. Auf meine entsprechende Anfrage hin hat das Landesverkehrsministerium der Zabergäubahn bei einer Verlängerung der Strecke bis Neckarsulm ein hohes Fahrgastpotential bescheinigt. Ein attraktives Schienenverkehrsangebot wäre nicht nur ein Gewinn für die Umwelt, sondern auch eine Entlastung unserer stark befahrenen Straßen und ihrer Anwohner. Freilich darf dies nicht als Deckmantel dienen, die Anbindung anderer Orte zu verschlechtern.

Frage 2: Bürgerbeteiligung

In Nordheim-Nordhausen ist der Bau eines Funksendemastens direkt neben dem Kindergarten geplant. Einige Bürger*innen haben offiziell Protest gegen die Standortwahl eingereicht (mehr zum Thema auf NOWO hier).

Wie stehen Sie zum Thema Bürgerbeteiligung bei kontroversen Infrastrukturprojekten dieser Art?

Die Beteiligung von Bürger*innen und Bürgern an Entscheidungsprozessen halten wir Grünen für elementar. Insbesondere bei möglicherweise umstrittenen Infrastrukturmaßnahmen, bei denen oft intensive und auch emotional geführt Debatten entstehen, ist es wichtig, faktenbasiert und strukturiert ins Gespräch zu kommen. Allerdings wird manchmal auch erst nach getroffenen Entscheidungen Konfliktpotential offenbar. Am Ende von Bürgerbeteiligungsprozessen entscheiden in der Regel die zuständigen Gremien – mit erweiterten Erkenntnissen zur Lage. Grundsätzlich haben Entscheidungen, die unter  Beteiligung der Bürger*innen gefasst wurden, eine große Akzeptanz, auch bei denen, die mit ihrer Meinung unterlegen sind. Voraussetzung hierfür ist ein ernsthafter Umgang mit den Positionen, ein Prüfen und Bewerten von Alternativen und eine fundierte Faktenbasis.

Unsere repräsentative Demokratie hat sich bewährt. Bei Projekten, die einen außergewöhnlichen finanziellen Kraftakt bedeuten und die Zukunft der Kommunen für die nächsten Jahrzehnte bestimmt, halte ich eine Bürgerbeteiligung aber für unbedingt notwendig. Neben vielen Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung, die jetzt schon immer stattfinden (Bürgerinformation, Möglichkeit des Bürgerbegehrens, etc.), halte ich es in solchen Fällen für sinnvoll, als Kommune oder Kreis eine Bürgerbeteiligung proaktiv anzugehen. Im Landtag haben wir übrigens gefordert, Bürgerentscheide auch auf Kreisebene durchführen zu können. Grüne und CDU haben unseren Antrag aber leider abgelehnt. Hier muss in der kommenden Legislaturperiode wieder mehr Tempo bei der Bürgerbeteiligung gemacht werden.

Die Beteiligung von Bürger*innen findet zu selten und wenn dann oft zu spät statt. Es geht um die Kommunikation eines Bedarfs und die Beteiligung bereits bei der Standortsuche. Dann können Bedenken aufgegriffen und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden. Zusammen mit Freund*innen engagiere ich mich in einem Projekt, in dem wir technische Neuerungen nutzen wollen, um Bürger*innenbeteiligung zu vereinfachen.

Die Anhörung und der Einbezug der Meinungen, Vorschläge und Einwände aus der Bürgerschaft ist absolut wichtig und für mich selbstverständlich. Zugleich ist es aber auch so, dass die Entscheidungen schließlich von den gewählten Bürgervertreterinnen und -vertretern getroffen werden. Bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen kann in Sachfragen auch durch einen Bürgerentscheid eine Entscheidung herbeigeführt werden.

Wir Freie Demokraten plädieren für mehr und verbindlichere Bürgerbeteiligung. So haben wir beispielsweise einen Vorstoß unternommen, aktive direktdemokratische Mittel wie Einwohneranträge, die heute schon auf Gemeindeebene vorhanden sind, auch für die Kreise zu ermöglichen. Bauvorhaben sind durch eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung bereits einer starken demokratischen Kontrolle unterworfen; jedoch zeigt die Praxis, dass die tatsächliche Aufmerksamkeit für solche Projekte erst in einem zu späten Planungsstadium erreicht wird, dies sollte verbessert werden.

Frage 3: Kita-Gebühren

In Nordheim wird viel Geld in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert (Neubau Kindergärten, Aufstockung des Personals) und entsprechend hohe Kindergartengebühren erhoben. Zwischen den Nachbarkommunen gibt es mittlerweile teils drastische Unterschiede bei den Kindergartengebühren. 

Welche Konzepte bestehen, um die Kommunen im Bereich der Kinderbetreuung mehr zu entlasten bzw. für einheitliche Gebühren zu sorgen?

Wir Grünen wollen perspektivisch, dass Kindertageseinrichtungen, die ja auch Bildungseinrichtungen sind, unentgeltlich zur Verfügung stehen. Zunächst sind wir aber mit dem Zubau weiterer Plätze und mit dem qualitativen Ausbau der Betreuung beschäftigt. Auch eine bessere Bezahlung der engagierten Beschäftigten ist ein Ziel. Das Land unterstützt die Kommunen in diesen Bereichen mit immensen Summen. Die Kommunen selbst nehmen dazu ebenfalls viel Geld in die Hand. Wer nun zu all den oben beschriebenen Aufgaben gleichzeitig kostenlose Kinderbetreuung fordert und dazu noch die Senkung z.B. der Grunderwerbsteuer, der muss sich schon fragen lassen, wie dies zu finanzieren ist, ohne es auf die nachfolgenden Generationen zu verschieben. Wichtig ist, dass Kindergartenbeiträge sozial gestaffelt erhoben werden. Dies ist eine Grüne Forderung, die in vielen Kommunen, noch nicht in allen, bereits umgesetzt wird. So soll niemand übermäßig mit Kosten belastet werden, damit jedes Kind eine solche Einrichtung besuchen kann, die ja auch für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgt.

Bildung muss kostenfrei sein – und zwar von Anfang an. Als SPD setzen wir uns für kostenfreie Kitas ein, und wollten dies vor zwei Jahren auch schon mit einem Bürgerbegehren auf Landesebene umsetzen. Dies war dem Innenminister aber zu viel der Bürgerbeteiligung und er hat die Abstimmung noch vor dem Start gestoppt. Wir kämpfen aber weiter dafür, dass Bildung kostenfrei ist – von der Kita bis zum Master oder Meister. Hier muss das Land auch finanziell eine Priorität setzen.

Wir als Linke sehen Kindertagesstätten als Bildungseinrichtungen, die genauso wie Schulen gebührenfrei sein sollten. Auch die Bezahlung der Fachkräfte muss sich an die Schulen angleichen. Die Fachkräfte in den Kitas müssen Zeit haben, die Kinder zu fördern und die Bildungsauftrag wahrzunehmen. Dort wird der Grundstein für den gesamten Bildungsweg gelegt, deswegen darf der Besuch einer Kita nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Das Land muss diese Aufgabe maßgeblich mitfinanzieren. Finanziert werden kann dies durch eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

Die CDU setzt auf flexible, bedarfsgerechte und zugleich qualitativ hochwertige Angebote – orientiert an dem, was Familien wirklich wollen und brauchen. Die frühkindliche Bildung müssen wir weiter stärken. Mehr Qualität, das ist unser
Anspruch, statt auf Gebührenfreiheit als Selbstzweck zu setzen. Gebührenfreiheit wie wir sie in Heilbronn seit 2008 haben, muss der Entscheidung der Kommunen überlassen bleiben. Die Angebote in der Kindertagesbetreuung müssen wir auch quantitativ weiter ausbauen. Die praxisintegrierte Ausbildung führen wir konsequent fort, es braucht eine Zukunftsoffensive für mehr Fachkräfte in Baden-Württemberg. In diesen Bereichen investieren wir.

Grundsätzlich obliegt die Festsetzung der Gebührenhöhe den Kommunen bzw. dem jeweiligen Träger. Diese werden bei der Wahrnehmung ihrer Aufgabe aber mit Landes- und Bundesmittel unterstützt. Diese müssen ausreichend sein und auch Aufgaben etwa im Leitungsbereich angemessen berücksichtigen, dafür setzen wir Freie Demokraten uns ein. Auch wollen wir eine gleichberechtigte Berücksichtigung der Kindertagespflege erreichen. Denn der Angebotswettbewerb in der Kinderbetreuung sollte in erster Linie qualitativ verstanden werden. Beispielhaft sei hier der Schwerpunkt der Sprachbildung genannt. Die personelle Stärkung dieser Aufgabe in Nordheim begrüße ich daher auch ausdrücklich.

Frage 4: Digitalisierung der Kommunen

Spätestens seit Beginn der Corona-Pandemie ist es für viele Arbeitnehmer selbstverständlich sich virtuell per Web-Konferenzen auszutauschen. Immer mehr öffentliche Veranstaltungen können Bürger*innen live per Stream
verfolgen. In vielen Kommunen (wie z.B. in Nordheim) finden öffentliche Gemeinderatssitzung aber grundsätzlich weiterhin als reine Präsenzveranstaltungen statt. Auch die meisten Behördengänge sind nachwievor nicht online durchführbar. 

Welche Rahmenbedingen kann das Land schaffen, damit die Digitalisierung auch in den Gemeindeverwaltungen flächendeckend ankommt?

Im Landtag werden, wie in vielen Betrieben und Kommunen, während der Pandemie Sitzungen, die keine Präsenz benötigen, online durchgeführt. Bereits im Mai 2020 wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen, also die Gemeindeordnung und die Landkreisordnung vom Landesparlament justiert, um Online- Sitzungen auch der Gemeinderäte und der Kreisräte möglich zu machen. Die Umsetzung muss dann vor Ort geschehen. Dafür muss die digitale Infrastruktur stimmen. Deshalb investieren wir von Landesseite massiv in Breitbandausbau und dürfen da nicht nachlassen. Digitale Endgeräte für die Gremienarbeit müssen vor Ort zur Verfügung gestellt werden. In Nordheim stehen diese zur Verfügung. Ob eine Sitzung dann in Präsenz unter Einhaltung der Hygieneregeln oder digital stattfindet, muss vor Ort entschieden werden. Viele Kommunen gehen nun große Schritte in Richtung Digitalisierung der Gemeindeverwaltungen und bezüglich ihrer Kontakte zu den Bürger*innen. Sie sind im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung auch dafür zuständig, deshalb sind die Ausbaustufen sehr unterschiedlich. Nordheim macht sich auf diesen Weg. Das Land unterstützt mit der Initiative und dem Förderwettbewerb  “Digitale Zukunftskommune BW”.

Bei der Digitalisierung müssen wir einen großen Schritt vorankommen. Insbesondere digitale Behördengänge, wie sie in anderen Ländern zum Teil schon gelebter Alltag sind, müssen jetzt endlich umgesetzt werden. Im Landtag haben wir übrigens gefordert, dass Gemeinderatssitzungen zukünftig auch digital von allen Bürgerinnen und Bürgern verfolgt werden können. Aktuell wäre es möglich, dass die Gemeinderäte zuhause vor ihren PCs sitzen, die Bürger aber den „Live-Stream“ im Ratssaal oder sonstwo sehen müssen.

Viele Kommunen sind bei dem Thema auf sich selbst gestellt. Nicht alle Kommunen müssen parallel an den gleichen Herausforderungen arbeiten. Das Land kann Lösungen zur Verfügung stellen, Datenschutzkonforme Software für Gemeinderatssitzungen, am besten mit eingebauter Möglichkeit für Fragen und live Abstimmungen. Das gleiche gilt für die Software für Terminvereinbarungen oder die Durchführung von Behördengängen. Dadurch sparen sich Kommunen die Arbeit und können auf sichere durch das Land geprüfte Lösungen zurückgreifen.

Digitale Verwaltung und digitale Verwaltungsleistungen werden immer wichtiger. Dies gilt angesichts der Pandemie noch mehr. Für die kommenden Jahre wollen wir, dass in Baden-Württemberg alle Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen von der Digitalisierung der Verwaltung profitieren können, ganz unabhängig von ihrem Wohn- bzw. Standort. Das Amt soll zu den Menschen kommen. E-Government für alle und für alles – das ist unser Ziel.

Mit der E-Government-Vereinbarung wurde festgelegt, dass Land und Kommunen gemeinsam kommunale Standardprozesse entwickeln, welche allen Kommunen im Land bereitgestellt werden. Die hohe Anzahl an zu digitalisierenden Leistungen stellt eine dabei große Herausforderung dar.

Das Innenministerium entwickelte unter dem Eindruck der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 in enger Abstimmung mit den Kommunalen Spitzenverbänden binnen kürzester Zeit einen Universalprozess, mit dem Kommunen ihre Verwaltungsleistungen online anbieten können. Jede auf service-bw hinterlegte Verwaltungsleistung kann mit dem Universalprozess online angeboten werden. Mit der Entwicklung des Universalprozesses wurde neben den Standardprozessen eine Umsetzungsvariante entwickelt, um eine Vielzahl an Verwaltungsleistungen schnell und günstig zu digitalisieren. Das geschieht bereits in über 100 Städten und Gemeinden im Land, von denen manche ihren Bürgerinnen und Bürgern bis zu 300 digitale Verwaltungsleistungen anbieten können. Der Gang zum Amt entfällt in diesen Fällen komplett. Dank des neuen Prozesses haben einige Kommunen im Land das OZG so bereits heute erfüllt. Baden-Württemberg schreitet bei der Umsetzung des OZG mit großen Schritten voran. Das Land befindet sich damit auf einem guten Weg, das Ziel des OZG bereits deutlich vor der Umsetzungsfrist zu erreichen.

Dass die landeseigene E-Government-Plattform service-bw, auf der die Online-Verwaltungsleistungen bereitgestellt werden, akzeptiert und genutzt wird, zeigen aktuelle Statistiken deutlich. Service-bw ist das zentrale Zugangstor zu Online-Verwaltungsleistungen in Baden-Württemberg.

Um als Land den digitalen Wandel zu gestalten und bei der Digitalisierung an der Spitze zu stehen, muss auch die Landesverwaltung einen deutlichen Schritt vorangehen. Die Gleichstellung von Papier- und digitalen Dokumenten ist der
Schlüssel für eine moderne Verwaltung. Was in der elektronischen Kommunikation per E-Mail längst Alltag ist, soll mit der E-Akte BW jetzt auch innerhalb der Landesverwaltung Standard werden: ein schneller, papierloser Austausch mit einer optimalen Vernetzung des Knowhows.

Die rechtlichen und technischen Voraussetzungen für die Digitalisierung des Gemeinderats und der Verwaltung zu schaffen, ist ein Anliegen, das unverzüglich umgesetzt werden muss. Auf Landesebene sollte die Digitalisierung in einem eigenen Ministerium gebündelt werden, um diese Aufgabe effektiv voranzutreiben. In der Fläche des Landes sind dazu auch Defizite der Infrastruktur zu beheben, etwa fehlende Glasfaserleitungen zu verlegen. Verwaltungsleistungen können durch Vernetzung und bessere Erreichbarkeit eine Zeit- und Kostenersparnis für die Bürger erreichen. Dabei ist besonders auf Datenschutz und Sicherheit zu achten, etwa bei der Wahl des Serverstandorts; auch bei den verwendeten Programmen sollte daher auf Open-Source-Software gesetzt werden. Damit die Ziele der Verwaltungsdigitalisierung erreicht werden können, sind entsprechende Fortbildungsangebote für die öffentlich Beschäftigten vorzuhalten.

Frage 5: Städtepartnerschaften

Im Nordheim gibt es aktuell keine internationale Partnerschaft mit einer anderen Kommune. Im Nordheimer Gemeinderat gibt es einige Befürworter*innen einer solchen Partnerschaft, jedoch noch keine breitere Debatte dazu (mehr zum Thema auf NOWO hier).

Welchen Stellenwert haben internationale Städtepartnerschaften aus Ihrer persönlichen Sicht bzw. aus Sicht des Landes?

 

Wie es auf deutschen Reisepässen zu lesen ist, sind wir auch alle Bürger*innen der Europäischen Union. Diese ist nicht nur ein Garant für Frieden und Wohlergehen, sondern auch ein gesellschaftlicher Auftrag und eine Idee, wie die Menschen aus den Ländern eines Kontinents zusammenwachsen können. Hierbei helfen Partnerschaften auf kommunaler Ebene direkt vor Ort. Aber auch über den Bereich der EU hinaus können Städtepartnerschaften sinnvoll sein. Eine lebendige Städtepartnerschaft ist eine gute Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern, andere Ausgestaltungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und Menschen aus einem anderen Umfeld kennenzulernen – im Idealfall mit dem Ergebnis, dass mögliche Vorurteile fallen und einfach Menschen anderen Menschen begegnen. Im Gegensatz zu oft einmaligen Urlaubsreisen in eine Stadt entstehen so jahrzehntelange Prozesse und Freundschaften über den Tag hinaus in guten wie in schlechten Zeiten, in denen dann auch eine Verantwortung über die eigenen Gemarkungsgrenzen hinaus spürbar werden kann. Meine persönlichen Erfahrungen mit Städtepartnerschaften sind alle durchweg positiv und gerne denke ich an die vielen schönen Begegnungen, die beispielsweise auf den Gaffenberg-Kinderfreizeiten mit unseren Gästen aus der Heilbronner Partnerstadt Béziers entstanden sind.

Städtepartnerschaften lassen uns näher zusammenrücken. Der Austausch mit anderen Kulturen, Regionen und anderen Sichtweisen und Lösungsansätzen kann uns nur voranbringen. Deshalb halte ich Städtepartnerschaften für äußerst sinnstiftend und unterstütze diese wo immer möglich.

Städtepartnerschaften sind erstmal eine gute Idee, es hängt aber auch davon ab, wie sie mit Leben gefüllt werden. Durch einen lebendigen Austausch, der natürlich gerade auch durch die Digitalisierung vereinfach möglich ist, können neue Ideen auch für Nordheim entstehen. Interessant ist natürlich immer, wenn es Parallelen zwischen den Gemeinden gibt was die Größe oder andere Besonderheiten angeht, zum Beispiel das Thema Weinbau. Die Städtepartnerschaft könnte auch zu einem Jugendaustausch führen, der zur Verständigung dient und neue Perspektiven eröffnet.

Städtepartnerschaften tragen aus meiner Sicht in erheblichem Maße dazu bei, Europa und die Welt vor Ort erlebbar zu machen. Die Bedeutung von Gemeinde- und Städtepartnerschaften kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Durch sie verankert sich etwa der europäische Gedanke direkt vor Ort, wird von den Bürgerinnen und Bürgern im Alltag gelebt und in die Köpfe und Herzen der Menschen getragen. Schnell vergisst man im Alltag, den Blick aufs große Ganze zu fokussieren, nämlich auf Europa als Werte- und Ideengemeinschaft von Einzelstaaten mit jahrhundertelangen Traditionen und gemeinsamem kulturellen Erbe. Gemeinde- und Städtepartnerschaften unterstützen uns in der immerwährenden Aufgabe, dieses große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren und helfen dabei, etwa den europäischen Nachbarn besser kennenzulernen und persönliche Freundschaften zu schließen; auch das ist eine Art von Friedenspolitik. Wenn wir dies im Hinterkopf behalten, dann bleibt Europa nicht nur eine Idee, sondern wird praktizierte Lebenswirklichkeit und integraler Bestandteil unserer Identität.

Städtepartnerschaften als Baustein des internationalen und interkulturellen Austauschs stellen ein unterstützenswertes Element der Völkerverständigung dar. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass nicht nur eine formelle Partnerschaft existiert, sondern diese regelmäßig mit Leben gefüllt wird. Zu den großen Herausforderungen dabei zählt es, die Initiativen hierfür über das Stadium persönlicher Kontakte hinaus zu entwickeln und so zu verstetigen. Gelingt dies, so kann eine Städtepartnerschaft dauerhaft bestehen.

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