Gibt es bald ein Glasfasernetz in Nordheim und Nordhausen?

Was es mit der Initiative der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken und der Deutsche Giganetz GmbH auf sich hat.
Netzwerkkabel (© pixabay.com)
Netzwerkkabel (© pixabay.com)

In den vergangenen Jahren hat die Gemeinde Nordheim mit einigen großen Bauprojekten vornehmlich in “Steine & Ziegel” investiert. Nun scheint auf eine Initiative der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken hin auch der Ausbau von “Bits & Bytes” in Nordheim und Nordhausen in greifbare Nähe zu rücken, und zwar in Form eines Glasfasernetzes. Noch ist die Region Heilbronn-Franken landesweit Schlusslicht beim Breitbandausbau, möchte wohl nun aber mit großen Schritten aufholen.

Ein verlockendes Angebot

Womit der Dienstleister der Region Heilbronn-Franken lockt, klingt auf den ersten Blick doch relativ erstaunlich. Er möchte jedem Haushalt in Nordheim und Nordhausen einen Glasfaseranschluss mit Highspeed-Internet von bis zu 1000 Megabit pro Sekunde bieten. Die einzige Voraussetzung: Knapp 35% der Nordheimer und Nordhausener Haushalte müssen in den nächsten Monaten einen Vorvertrag mit dem Telekommunikationsunternehmen abschließen. Dabei handelt es sich um einen weitgehend branchenüblichen Vertrag über die Versorgung mit “Highspeed-Internet” mit einer Laufzeit von 24 Monaten. Nach der Vertragslaufzeit ist ein Wechsel zu einem anderen Anbieter möglich. Über den Preis des 2-Jahresvertrages hinaus sollen keine weiteren Kosten für den Ausbau (z.B. Gehwege aufgraben und Kabel verlegen) auf Seiten der Gemeinde oder der Bürger*innen entstehen. Auf der Webseite des Anbieters heißt es dazu: “Wir verlegen den Anschluss kostenlos bis in Ihre vier Wände”. Entsprechend euphorisch klingt auch der Bericht der Gemeinde Nordheim im Nordheimer Mitteilungsblatt und ergänzt: “Ebenfalls erfreulich: Nordheim gehört zu den Gemeinden im Landkreis, die schon zu Beginn dabei sein können, wenn mit den Arbeiten begonnen wird. Das soll schnell sein, im Idealfall könnte noch in diesem Jahr begonnen werden”.

Unternehmen der Wahl ist neu am Markt

All dies bewerkstelligen möchte die “Deutsche Giganetz GmbH”, welche im Jahr 2020 gegründet wurde, mit ihrem Expertenteam aus der Kommunikationsbranche und der finanziellen Unterstützung eines internationalen Fonds, welcher sich auf Infrastrukturprojekte fokussiert. Sehr professionell wirkt der Außenauftritt des Unternehmens z.B. auf der Webseite oder in den Pressemitteilungen allemal. Das ist wohl auch notwendig, hat man doch bisher noch nichts selbst gebaut und daher keine Referenz-Projekte vorzuweisen. Grundsätzlich sollte man natürlich keine Scheu davor haben, neuen Unternehmen eine Chance zu geben. Sie sorgen oftmals für frischen Wind auf dem Markt und für eine Wettbewerbssituation, welche den Kund*innen letztendlich überhaupt eine echte Wahl ermöglicht. Im Fall des Glasfasernetzausbaus in Nordheim und Nordhausen ist es zudem mehr als fraglich, ob sich mittelfristig nochmals ein Anbieter mit vergleichbaren Ambitionen finden lassen wird.

Über den Kooperationsvertrag zum Vorvertrag

Die nächsten Schritte könnten nun ziemlich flott gehen. Ein Kooperationsvertrag zwischen der Gemeinde Nordheim und der Deutschen Giganetz GmbH (DGN) wurde in der letzten Sitzung des Gemeinderates bereits abgesegnet. Dadurch sichert die Gemeinde der DGN unter anderem Unterstützung bei der Vorvermarktung zu, um “das Ausbauprojekt den Bürgern bei geeigneten Veranstaltungen und in geeigneten Medien nahezubringen” sowie erleichterte bzw. beschleunigte Genehmigungsverfahren für die notwendigen Bautätigkeiten. Durch die Kooperationsvereinbarung entstehen der Gemeinde keine unmittelbaren Kosten. Mit dem Start der Werbekampagne kann man schon in den nächsten Wochen rechnen. Dann wird es vor allem darum gehen, ob sich genug Haushalte in Nordheim und Nordhausen für das “Highspeed-Internet” per Glasfaserkabel und einen entsprechenden Vorvertrag mit der DGN begeistern lassen werden.

Schafft die Gemeinde Nordheim auch eigene Anreize?

Für die meisten Haushalte in Nordheim und Nordhausen würde ein Vertrag mit der DGN wohl vor allem eine Investition in die Zukunft bedeuten. Kann man doch die aktuelle Internetversorgung in der Gemeinde laut Breitbandatlas grundsätzlich als ausreichend bezeichnen. Die Möglichkeiten und Bandbreite eines neuen Glasfaseranschlusses würden wohl wenige Nutzer*innen in Nordheim und Nordhausen derzeit wirklich ausreizen, aber dennoch in den ersten 24-Monaten Vertragslaufzeit mit der DGN entsprechend dafür bezahlen müssen. Quasi eine Leistung, die man gar nicht ganz abruft. Die moderne Kommunikationswelt zeigt jedoch immer wieder, wie schnell der Standard von heute bereits in wenigen Jahren ungenügend sein kann. Umso mehr könnte sich die Gemeinde Nordheim darüber Gedanken machen, ob es nicht Möglichkeiten gibt, selbst Anreize für “investitionswillige” Bürger*innen zu setzen?

NOWO hätte da mal eine Idee:

Man könnte beispielsweise jeden Vertragsabschluss mit einem Nordheimer Wertgutschein honorieren.

Ein kleines Rechenbeispiel dazu: Laut Statistischem Landesamt gibt es in Nordheim und Nordhausen ca. 3700 Haushalte (Stand 2017). Wenn nun die Hälfte davon einen Vertrag mit der DGN abschließen würde und die Gemeinde dies jeweils mit einem Nordheimer Wertgutschein in Höhe von 50 Euro unterstützen würde, ergäbe dies gerade mal eine Summe von 92.500 Euro (1850 Haushalte x 50 Euro). Eine kommunale Förderung des Breitbandausbaus und gleichzeitig eine strukturelle Unterstützung für ortsansässige Unternehmen? Wäre das nicht eine klassische Win-Win-Situation?

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