Braucht Nordheim und Nordhausen eine Partnerstadt?

Internationale Partnerschaften sind in den Nachbarkommunen längst eine Selbstverständlichkeit. Vielleicht auch bald in Nordheim und Nordhausen?
Schild Partnerschaften Leingarten (© Team NOWO)
Schild Partnerschaften Leingarten (© Team NOWO)

Alleinstellungsmerkmal im Umland

Man muss sich schon etwas umschauen, möchte man Kommunen ohne eigene europäische Partnerschaft im Umland von Nordheim und Nordhausen finden.  Alle direkten Nachbarkommunen wie Lauffen am Neckar, Brackenheim, Leingarten, Schwaigern oder Heilbronn unterhalten europäische Städtepartnerschaften. Selbst deutliche kleinere Gemeinden wie Güglingen, Gemmingen oder Talheim verstehen sich auf dem internationalen diplomatischen Parkett. Es ist also schon etwas verwunderlich, dass Nordheim und Nordhausen keinerlei offizielle Gemeindepartnerschaft unterhält. Natürlich muss man seinen Nachbarn nicht alles nachmachen, in diesem Fall bleiben aber zahlreiche Chancen und Potentiale ungenutzt.

Das Herz Europas

Partnerschaften zwischen Kommunen dienen vor allem dem kulturellen Austausch und sollen Menschen zusammenbringen. Möchte man Werte wie  Solidarität, Weltoffenheit oder ein friedliches Miteinander fördern, muss man den Menschen die Möglichkeit geben dies selbst zu erleben. Es ist ja kein Geheimnis, dass wir vor allem aus persönlichen Erfahrungen lernen. Besonders Kindern und Jugendlichen sollte die Gelegenheit geboten werden, mit Gleichaltrigen aus andere Regionen Europas in Kontakt zu kommen. Schließlich werden sie einmal mitbestimmen, in welche Richtung sich unsere europäische Gemeinschaft entwickeln wird.

Netzwerk für Schulen und Vereine

Selbstverständlich können Partnerschaften zwischen Kommunen nur dann dauerhaft funktionieren, wenn auch Schulen und Vereine in die Pflege der Beziehungen investieren. Erste mögliche Ansätze hierfür liegen auf der Hand: So könnten sich Sportvereine beispielsweise gegenseitig zu Turnieren oder Trainingslagern einladen. Für (weiterführende) Schulen wäre es hingegen besonders attraktiv, einen internationalen Schüleraustausch anbieten zu können. In beiden Fällen ein Gewinn an Erfahrungen für alle Beteiligten.

Die EU winkt mit Fördermitteln

Bevor in einer Kommune ein neues Projekt gestartet wird, findet reflexartig eine Recherche nach möglichen Fördermitteln statt. Hierbei wird man auf europäischer Ebene schnell fündig. Im Förderbereich „Demokratisches Engagement und Partizipation“ bietet die Europäische Union nämlich regelmäßig verschiedene Förderprogramme an. Eines haben sie immer gemeinsam: Es geht um die Vernetzung von Partnerstädten und das Ermöglichen von Bürgerbegegnungen. So kann man beispielsweise für eine gemeinsame Veranstaltung von mindestens 25 Bürger*innen aus zwei Partnerkommunen einen Pauschalbetrag von 12.600 Euro beantragen.

Ansatzpunkte gibt  es einige

Es ist ja nicht so, als gäbe es in Nordheim und Nordhausen keine historischen Verbindungen zu anderen Regionen in Europa. Der Teilort Nordhausen wurde vor knapp 320 Jahren von französischsprachigen Glaubensflüchtlingen aus dem Piemont (heute Italien) gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden zahlreiche Vertriebene aus verschiedenen Teilen Europas in Nordheim und Nordhausen eine neue Heimat. Auch in den Jahrzehnten der Gastarbeiter oder nach dem Fall des eisernen Vorhangs, Ende der 80er Jahre, zog es einige Familien aus der Ferne ins untere Zabergäu.

Im Zweifel hilft die Partnervermittlung

Es ist sicherlich möglich, dass aus historischen Verbindungen verschiedener Gruppen oder persönlichen Beziehungen  Einzelner eine Partnerschaft für die Allgemeinheit entstehen kann. Jedoch gibt es auch einen anderen Weg. Dieser beruht alleine auf dem Willen und der Offenheit eine neue Partnerschaft anzustreben. Rückblickend berichten manche Kommunen,  dass man sich irgendwann entschlossen habe einfach auf die Suche zu gehen.  In unserer heutigen vernetzten Welt ist dies einfacher denn je. Unter anderem bieten verschiedene Organisationen ihre Unterstützung an, wie zum Beispiel die „Partnervermittlung“ des Rats der Gemeinden und Region Europas. Auf deren Webseite findet man sogar aktuelle (und seriöse) Gesuche von Kommunen aus der ganzen Welt. Wann beginnt diese Reise für Nordheim und Nordhausen?

Share on whatsapp
Share on facebook
Share on twitter

Update vom 01.03.2021: Ankündigung der FBW-Fraktion

In der Gemeinderatssitzung vom Januar 2021 führte der Fraktionsvorsitzende der Freien Bürgerlichen Wählervereinigung aus: „Unser Wunsch nach einer Gemeindepartnerschaft, den wir nun schon seit mehreren Jahren formulieren, ist nach wie vor ungebrochen. Sehr gerne würden wir von der FBW gemeinsam mit den anderen Fraktionen, der Verwaltung, den Vereinen, Kirchen und begeisterungsfähigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern einen Schritt nach vorne machen.“  Tatsächlich gab es sehr ähnlich klingende Appelle von der FBW auch in den vergangenen Jahren, wie z.B. in der Gemeinderatssitzung im März 2017: „Kommunal denken – global handeln“: Unter diesem Motto denkt die FBW gerne auch mit den anderen Fraktionen und der Verwaltung darüber nach, ob eine Gemeindepartnerschaft in Zeiten mit zunehmendem Nationalismus nicht das richtige Signal wäre, diesem Trend entgegenzuwirken. Wir könnten uns vorstellen, dass es in Nordheim Menschen geben kann, die dieses Vorhaben unterstützen und tragen können. Für unsere Vereine und Schulen könnte so eine Partnerschaft, beispielsweise mit einem Land Osteuropas, sehr gewinnbringend sein. Diesen Prozess würden wir gerne anstoßen und begleiten.“  Es wird sich zeigen, ob die stärkste Fraktion im Nordheimer Gemeinderat ihren Einfluss nun tatsächlich nutzt und den Worten auch Taten folgen lässt.

Auch interessant: lesenswert: spannend:

Scroll to top
Skip to content