Nordheim braucht einen Plan für die Zabergäubahn

Warum ein eigenes Mobilitätskonzept ein Teil der Lösung sein sollte. Ein Kommentar.
Alte Schiene
Alte Schiene (© pixabay.com)

Pendler*innen nach Heilbronn brauchen gute Nerven

Wenn man täglich aus Nordheim oder Nordhausen in Richtung Heilbronn pendelt und das Schlagwort “Zabergäubahn” hört, klingt das zunächst nach der Verheißung, dass die endlosen Staus und Stunden an verschwendeter Zeit im Auto oder Bus tatsächlich ein Ende haben könnten. Diese Gedanken beruhen auf der Hoffnung und Bitte, dass doch ein großer Teil der Pendler*innen aus dem mittleren und oberen Zabergäu auf das Auto verzichten möge und stattdessen einfach die neue Stadtbahn nach Heilbronn nehmen solle. Quasi eine Win-Win-Situation für alle. Dass die aktuelle Verkehrssituation eigentlich nicht mehr tragbar ist, haben auch die Bürger*innen aus unserer Nachbarkommune Leingarten klar zu verstehen geben, werden ihre Wohngebiete doch im großen Stil als Ausweichstrecke für das Nadelöhr Nordheim-Heilbronn genutzt.

Kann man überhaupt gegen die Zabergäubahn sein?

Auf den ersten Blick kann man daher erstmal verdutzt sein, wenn man von Vorbehalten gegenüber der Zabergäubahn aus Kreisen des Nordheimer Gemeinderats hört: „Ob eine Zabergäubahn für Nordheim tatsächlich Verbesserungen bringen kann, ist fraglich. Der Nordheimer Gemeinderat hat sich bisher nicht ausführlich genug mit dem Thema befasst. Recht deutlich aber war zu erkennen, dass viele im Ratsrund dem Vorhaben gegenüber eher zurückhaltend gesinnt sind. Das liegt daran, weil man für Nordheim zwar große Kosten kommen sieht, nicht aber eine wesentliche Verbesserung erhoffen bzw. sogar eine Verschlechterung befürchteten müsste, wenn Busverbindungen wegfallen würden.” führte der Fraktionsvorsitzende der Freien Bürgerlichen Wählervereinigung in einer Sitzung im Januar 2021 aus.

Man kann wohl niemandem einen Vorwurf machen, sich in Nordheim und Nordhausen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausführlich mit dem Thema Zabergäubahn befasst zu haben. Jedoch sollte aus dieser Erkenntnis zeitnah eine Reaktion erfolgen.

Ist die Zeit reif für ein Mobilitätskonzept?

Im Jahr 2017 wurde im Gemeindeentwicklungskonzept “Nordheim 2030” festgehalten: “Die Bürgerschaft Nordheims wünscht sich eine Verbesserung des ÖPNV-Angebots. Im Vordergrund stehen eine verbesserte Anbindung und eine regelmäßigere Taktung.”  Der nun eigentlich vorhandene Druck, sich als Gemeinde zum Projekt Zabergäubahn positionieren zu müssen, sollte der letzte Stein des Anstoßes sein, sich nun ganzheitlich mit dem Thema Mobilität zu beschäftigen und den Handlungsauftrag der Bürger*innen aus dem Jahr 2017 aufzugreifen. Möchte man diesen ernst nehmen, wird es allmählich Zeit ein Art Mobilitätskonzept in Angriff zu nehmen. Mit einer solchen Grundlage könnte man zudem die hypothetischen Auswirkungen einer Wiederbelebung der Zabergäubahn auf die eigenen Bedürfnisse abgleichen. Auch quasi eine Win-Win-Situation. Ein paar Ideen zu möglichen Vorgehensweisen kann man sich bei der Stadt Bretten abschauen, welche gerade mit viel Aufwand an einem Mobilitätskonzept arbeitet.

Auf den ersten Blick viele Fragezeichen

Beispielhaft könnte man sich im Rahmen eines Mobilitätskonzepts für Nordheim und Nordhausen mit folgenden Fragestellungen beschäftigen:

  • Wohin pendeln die Nordheimer und Nordhausener Bürger*innen zur Arbeit?
  • Werden aktuell die richtigen Verbindungen angeboten, oder muss man umdenken und z.B. eine Direktverbindung nach Leingarten ermöglichen?
  • Für welche Fahrten und von welcher Zielgruppe wird der ÖPNV überhaupt genutzt bzw. was sind die Gründe warum er nicht genutzt wird?
  • Ist es vorstellbar, das Angebot des Bürgerbusses auszubauen (z.B. als S-Bahn-Shuttle)?
  • Wäre es möglich, Nordheim und Nordhausen an die Stadtbuslinie Heilbronn anzubinden, wie es z.B. die Landkreiskommune Flein vormacht?
  • Welche Auswirkungen könnten Zukunftsthemen wie “autonomes Fahren” haben?

Ohne Daten hilft nur raten

Ohne eine echte Beteiligung der Bürger*innen und empirische Studien zum tatsächlichen Verkehrsverhalten, lässt sich kein Mobiltiätskonzept auf die Beine stellen und ist auch jede Positionierung der Gemeinde zum Projekt Zabergäubahn nicht mehr als ein Bauchgefühl. Vorherrschend für die nächsten Schritte sollte aber viel mehr das Verantwortungsgefühl sein, die Gesamtinteressen und Bedürfnisse der Bürger*innen von Nordheim und Nordhausen tatsächlich zu kennen, um anschließend mit der notwendigen Wertschätzung und auf Augenhöhe mit den anderen Kommunen aus dem Zabergäu ins Gespräch gehen zu können. Denn für viele Bürger*innen aus Brackenheim, Güglingen, Pfaffenhofen und Zaberfeld ist das Projekt Zabergäubahn eine Herzensangelegenheit.

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